Aus Schinders Protokollen #1

Wofuer Schinders Protokolle?
Fritz Mueller99 wird vermehrt „auf der Gasse“ Gespraechsprotokolle schreiben duerfen – besser gesagt muessen. Denn begibt sich Fritz Mueller99 in bilaterale Meetings mit Mitarbeitenden der Institution, welche sich Sozialamt auf den Hut schreibt, wie kann es anders sein, in ein Spannungsfeld, in dem alles möglich ist. Falschaussagen, Verleumdung und Diskreditierung. Wer, was moeglicherweise gesagt oder nicht gesagt hat kann im Nachhinein unmoeglich ohne technische Hilfsmittel ermittelt werden? Filmaufnahmen sind innerhalb des Amts nicht gestattet, so bleibt dem Bittsteller nur die Moeglichkeit des schriftlichen Protokolls. Fritz Mueller99 schreibt zum Glueck gerne Protokolle, – und schreibt sie schnell – sehr schnell.

Damit es ihm dennoch etwas leichter faellt, helfe ich ihm bei dem Review der Protokolle, achte darauf, dass ein wenig die ¨emotionale Komponente¨ mit in sein Text einfliesst, ich werde natuerlich die inhaltlichen Aspekte und harten Fakten nicht veraendern, das waere klar nicht im Sinne eines Gespraechsprotokolls. Die mobile „Protokollierstation“ von Fritz Mueller99 ist technisch eingeschraenkt im Funktionsumfang, aus diesem Grund muessen wir in den Schinders Protokollen heute und zukuenftig auf Sonderzeichen und Selbstlaute verzichten, – wir werden in der dritten Person sprechen.

Der fortschreitenden Sinnentfremdung Einhalt gebieten
Wer in sich geht und sieht, wie die Lebens- und Leidenszeit von aktiven und intelligenten Menschen fuer gesellschaftlich sinnvolle Taetigkeiten genutzt werden koennte, der muesste in Anbetracht der heutigen, politischen Situation eigentlich nur noch weinen, denn es gibt nichts sinnentfremdeteres innerhalb eines sozialen Gefueges, in einer (noch) BGE-losen Gesellschaft, als Schinders Protokolle schreiben zu muessen. Einzig gedacht fuer den Selbstschutz, damit ein Individuum nicht im Nachhinein durch Sanktionen und Essensenzug indirekt getoetet werden darf, nur weil er dies oder jenes gesagt oder moeglicherweise nicht gesagt haben soll. Die Schinders Protokolle sollen Fritz Mueller99 vor diesem Ungemach bewahren. Wir werden sehen.

Schinders Protokoll, Gespraech 1..n
27.05.2015 Damit Fritz Mueller99 persoenlich heute beim Amt vorstellig und vorsprechen konnte, musste er sich aufgrund seiner Krankheit kriminalisieren. Er nicht verpflichtet ist, sich selbst belasten zu muessen, somit bleiben seine Lippen versiegelt. Er aufgrund Vereinbarung mit seinen Darlehensgebern explizit nur staatliche Hilfe in Anspruch nehmen darf, sofern es um die Grundsicherung geht, falls er diese Vereinbarung ein einziges Mal brechen wuerde, ihm sofort saemtliche Leistungen von Seite (Mikro-) Darlehensgeberin eingestellt wuerden. Er sich demnach sehr wohl ueberlegen muss, wie er priorisiert. Auf welche Art er sich toeten lassen will. Von Seite Staat ist die Sachlage klar, – die Zahl 697 spricht fuer sich.

Fuer Leser, die das Dossier nicht in vollem Umfang kennen, – Fritz Mueller99 ist nicht bereit, vom Sozialamt Bern zu ueberteuerten Preisen zur Verfuegung gestellte Fahrtickets in Anspruch zu nehmen, diese ihm nach SKOS Richtlinien im Budget nachtraeglich zu seinem Nachteil angerechnet wuerden. Es die Freiheit eines jeden Individuums ist selber entscheiden zu duerfen, wie und in welcher Form er oder sie das ihm zur Verfuegung stehende Grundsicherungsgeld auf den Monat verteilt einsetzt. Eine ueberteuerte Fahrkarte (b25027), die Antragsstellende Partei bzw. Sozialhilfebeziehende dazu zwingen, OeV Mittel nach dem „Zwangsprinzip“ in Anspruch nehmen zu muessen, entspricht somit nicht der Rechtsstaatlichkeit. Ein Individuum kennt moeglicherweise guenstigere Moeglichkeiten, wie er sich von A nach B bewegen kann, gleiches gilt fuer die (Essens) Gutscheine, mit denen Sozialhilfebezueger gerne und viel zu oft abgespiesen werden. Gutscheine, die teils von unbeteiligten und nichtstaatlichen Organisationen mehr oder weniger genoetigt zur Verfuegung gestellt werden. Diese Institutionen sich vehement gegen ein solches Gebaren oeffentlich distanzieren und definitiv nicht dazu gewillt sind, Sozialhilfeantraege auf ihre Kosten zu drucken, den die Spendengelder von Caritas wie von anderen Hilfsinstitutionen sind an klare Regeln gebunden, wie diese Gelder verwendet werden dürfen. Fritz Mueller99 wie die besagte(n) Hilfsinstitution(en) sich solche Behoerdenwillkuer nicht gefallen lassen.

Zurueck zum Termin vom 27.05.2015. Fritz Mueller99 werden wie so oft, die immer gleichen Formulare vorgelegt, die er laengst ausgefuellt hat, diese heute wiederum beim Amt vor Ort haette abgeben wollen. Aus unerklaerlichen Gruenden er das komplette Dossier wieder hat „einpacken“ muessen und vom Ort verwiesen wurde mit dem Hinweis, er koenne die gleichen Papiere zwei Tage spaeter nochmals vorbeibringen. Also ich, die Ghostwriterin Anita Zerk verstehe es nicht – sie vielleicht?

Ohne Geld, ohne Fahrmoeglichkeit, ohne der Moeglichkeit, dass ihm von staatlicher Seite ein Obdach gewaehrt worden waere, verliess Fritz Mueller99 den Ort des Grauens und denkt darueber nach, weshalb am Schalter darauf rumgeritten worden ist, wie den nun der Briefkasten an seinem ehemaligen Wohnort beschriftet worden sei, damit Fritz Mueller99 weiterhin seine Post erhalten kann. Ja, der Briefkasten ist korrekt beschriftet. Leider war aber offenbar die bildgebende Erklaerung von Fritz Mueller99 unzureichend, so dass das Sozialamt subito gleich Gebrauch von der Vollmacht machen wollte und Ruecksprache mit der ehemaligen Hausverwaltung in Betracht zog. Ich als Dossierbetreuerin habe nun ein Foto von diesem besagten Briefkasten gemacht, Fritz Mueller99 kann damit somit seiner sog. Mitwirkungspflicht nachkommen (dieses Wort gehört zum Unwort des Jahres erklärt), was wiederum ohne meine Mithilfe nicht moeglich gewesen waere. Der erstmalige Gebrauch der Vollmacht wird demnach dank meiner Intervention hinfaellig.

Es verhaelt sich in der Schweiz so, die Vollmacht kommt erst dann zum tragen, wenn die Beschaffung von Informationen nicht anderweitig moeglich ist. Der Sozialhilfebezueger muesste vorgaengig darueber informiert werden, dass er oder sie selber die Information beschaffen kann, ansonsten die Vollmacht zum tragen kaeme. Ich muss gestehen, gespannt warte ich auf den ersten Missbrauchsfall!

Zwei weitere Naechte (von 211 Naechten) musste Fritz Mueller99 unter freiem Himmel verbringen. Die zurueckzulegende Distanz zu seinem provisorischen Schlafplatz vom Sozialamt gemessen, leider zu weit entfernt ist. Das Ziel von Fritz Mueller99 bleibt bestehen, moeglichst nicht straffaellig zu werden. Ein wahres Kunststueck hat er bis heute vollbracht, – ohne Geld, – seit 697 Tagen, – im teuersten Land der Welt, – zu ueberleben! Wer moechte, kann bei ihm ein Survival-Training buchen.

29.05.2015 Fritz Mueller99 wird nach zwei langen Naechten erneut beim Sozialamt Bern vorstellig, er zieht eine Nummer und wartet, und wartet, und wartet. Ok, Fritz Mueller99 kann die Zeit mit bloggen ueberbruecken, dabei vergeht die Zeit wie im Fluge.

Nachdem seine Nummer endlich angezeigt wird, Fritz Mueller99 vor dem Schalter steht, verweist er u.a. auf die Nicht-Anhandnahme des Sozialhilfe und Nothilfe Antrags in Verantwortung von G___ und die in der Konsequenz, die wiederholte Noetigung seit Februar 2014.

Weshalb will Frau H___ das vollstaendige Dossier im PDF Format nicht entgegennehmen? Ein wenig irritiert auf die neue ihm noch unbekannte Situation fragt Fritz Mueller99, – wo im Gebaeude er demnach sein Antragsdossier selber ausdrucken koenne?

Frau H___ einen Drucker kann ich ihnen nicht zur Verfuegung stellen. Ich solle in ein Internet Kaffee gehen, dort koennen obdachlose Menschen ohne Geld bestimmt gratis drucken?

Fritz Mueller99 wie weit ist es bis zum naechsten Internet Kaffee? Und bekomme ich Geld, damit ich die Kopien vor Ort bezahlen kann? Notabene, es handelt sich um Antragskopien, die das Amt zwingend von den Antragstellenden verlangt, ohne diese Unterlagen kein Antrag bearbeitet wird! Sie kennen mein Dossier, ich bin gehbehindert und die Distanz von hier bis zum Internet Kaffee muss „irgendwie“ zurueckgelegt werden?! Koennen sie mir dabei weiterhelfen?

Frau H___ Sie muessen uns die Unterlagen in Papierform ueberreichen (Frau H___ geht nicht auf meine Frage ein), so steht es hier schriftlich schwarz auf weiss. Wir duerfen kein PDFs entgegennehmen, die Gefahr, dass wir auf diese Weise Viren einschleusen, ist viel zu gross (wer’s glaubt wird seelig)!?

Fritz Mueller99 gut, bzw. schlecht. Ich habe kein Geld, um ihre Forderungen umsetzen zu koennen. Demnach stellt sich die weitere Frage, wie ich die Nacht verbringen kann und Geld fuer Essen erhalte?

Frau H___ sie haben gestern gemaess unserem Computer beim Passantenheim uebernachtet.

Fritz Mueller99 nein. Wie kommen Sie darauf? Ich war nicht dort! Nothilfe nach rechtstaatlichem Ermessen wurde mir bis anhin nicht zuteil. Um nochmals auf den Punkt zurueckzukommen, wie koennen wir die Situation mit dem PDF bereinigen?

Frau H___ lassen Sie sich von einer nichtstaatlichen Institution Geld geben/leihen und gehen sie ins naechste Internet Kaffee.

Fritz Mueller99 ich wiederhole mich gerne – ich kann nicht gehen, die Atteste kennen sie. Sollten sie keinen Vorschlag unterbreiten koennen, so muss ich sie darauf hinweisen, dass dies eine Anzeige gegen G___ (Geschaeftsleitung des Sozialamts in Bern) wegen Nicht-Anhandnahme meines Falldossiers zur Folge haette. Sie befaehigen mich in keinster Weise, dass ich Unterlagen in der von ihnen gewuenschten Form abgeben koennte. Seit Februar 2014! Wo kann ich uebernachten?

Frau H___ (Frau H___ wiederholt sich) sie koennen in der Passantenhilfe uebernachten. Wir geben ihnen Essensgutscheine und bei der Passantenhilfe (eine nichtstaatliche Organisation), dort koennen sie Geld fuer Fahrkarten abholen.

Fritz Mueller99 sie defnieren dies als „Angebot“, dies ist jedoch kein „Angebot“, ich verstehe dies als Noetigung! Nicht involvierte Stellen sollen ihre Aufgaben uebernehmen, ich weiss aus sicherer Quelle, dass die von ihnen vorgeschlagene Hilfsinstitution mir kein Antrags-Druckgeld zur Verfuegung stellen wird (die Caritas Spendengelder sind an Bedingungen geknuepft). Ich werde dieses „Angebot“ somit auch nicht annehmen koennen. Ich frage sie zum dritten und letzten Mal, sie koennen definitiv nur A4 Unterlagen in Papierform entgegennehmen, wie ist dies konkret zu bewerkstelligen im Umfeld meiner Situation?

Obwohl ich sämtliche Unterlagen bereit habe, findet sich (finden sie) keine Loesung? Muss ich ein zweites Mal diesen Ort verlassen, ohne dass mein Antrag jetzt und heute entgegengenommen wird? Wiederum von dannen gehen muss, ohne Geld, ohne (überteuerte) Fahrkarte, bzw. Geld in den Haenden zu halten, ohne Uebernachtungsmoeglichkeit, ohne der Moeglichkeit, mich von A nach B bewegen zu koennen. Sie verweisen mich erneut auf fremde Hilfsinstitutionen, wollen mich erneut mit Essensgutscheinen „abspeisen“ – ich jedoch ein garantiertes und freiheitliches Recht darauf habe und in Anspruch nehme, mit Geld und nicht mit Gutscheinen einzukaufen, – weiter ein garantiertes und freiheitliches Recht ich besitze, dass mir Hilfe von Seite Staat und nicht Hilfe von Seite Kirche oder sonstiger Seite zur Verfuegung steht, dessen Hilfe einzig auf Goodwill beruht?

Frau H___ sie stoeren! Gehen sie bitte. Andere Hilfebeduerftige moechten als naechstes an die Reihe kommen.

Fritz Mueller99 wann soll ich mich erneut bei ihnen melden?

Frau H___ den naechst moegliche Termin ist am Montag ab 8.30h Vormittags.

Fritz Mueller99 Einwaende oder Bemerkungen – der Protokollfuehrer den Teilnehmer/die Teilnehmenden darauf aufmerksam macht, dass innert 20 Tagen ab Publikationsdatum die Parteien entsprechende Einwaende oder Bemerkungen schriftlich anbringen koennen. Werden keine Einwaende vorgebracht, das vorliegende Gespraechsprotokoll als stillschweigend genehmigt gilt. Besten Dank und auf Wiedersehen.

Link zum Nachlesen: http://tapschweiz.blogspot.ch/2015/05/b25064.html

Bern, Schinders Protokoll vom 31. Mai 2015
Fritz Mueller99 und Review durch Anita Zerk

Quelle: via @TAP Schweiz, May 31, 2015 at 01:50PM

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